PROLOG da sind se – live … und ich mittendrin? weiss nicht ob ich in der kategorie “fan” rangiere, dazu ist portishead viel zu einzigartig, zu “un-bandisch” . die musik begleitet mich jedenfalls seit 14 jahren – und solch zeitlose und immerwieder faszinierende klänge, soviel trostspendende und für etliche situationen passende erfahrungen, die die jungs und das mädel aus u.k. mir bescherten – das schaffen nicht viele gruppen und nur eine handvoll einzelmusiker. anyway, der 6. april 2008 geht als besonderer tag in meine persönliche vita ein.
kaum zu glauben nach jahren des wartens, nach über einer dekade funkstille, nach zig meldungen der gerüchteküche – somit war die erwartungshaltung gross:
was passiert, wie bringen sie den stoff rüber und vor allem: was ist beim neuen repertoir trumph?
UND LOS punkt 20:OO cet legten support kling klang los. war nicht darauf vorbereitet. strange, teils slayeresques gebolze, in passagen techno-manga mit sphärischen teppichen – gut so, aber kurzweilig. umbauphase mit jazzmusik, klo, platzsuche, empore rauf, wieder runter, wieder rauf und vergessen auf die uhr zu schauen. nach einer gefühlten dreiviertelstunde erlosch dann das licht. sollte es wirklich soweit sein?
die oase auf der 10-jährigen karawane durch die wüste? oder doch nur ein recycling?
p-head 2.0? ab dafür!
was nützt es die setlist abzuhaken, zu beschreiben wie welcher song arrangiert und inszeniert wurde? der auftritt war ein opus, ein KONZERT, ein theaterstück, ein kinematografisches gemälde aus formen und farben mit wahren musikern – ja komponisten. durchdacht, wissend und berechnend. und im zentrum des chores, quasi vorm altar der soundkathedrale: beth!
elfenhaft, zerbrechlich, leicht anämisch – eine lichtgestalt mit kristallklarer stimme. was für eine frau!
waren dummy (94) und portishead (97) zwar nicht thematisch aus dem selben holz geschnitzt, so behaupte ich dennoch, dass beide studioalben das selbe musikalische moment verinnerlichen. dies ist bei third offensichtlich anders. sind sie ihrer zeit mal wieder voraus ? ich denke ja. freunden, bekannten, denen ich portishead näher bringe können manchmal kaum glauben, dass die stücke über 10 jahre alt sind – so aktuell so neu klingt ein mysterons ein only you noch dieser tage. ähnlich wird es mit den aktuellen tracks von third sein – davon bin ich überzeugt. die reaktion im publikum: al dente. zunächst war interessant festzustellen, dass man keine 20 mehr ist – mist man wird alt. irgendwie war es eine community – eine homogene p-head-meute, gute monochrome menschen mit stil, ausgestattet mit einem blitzen in den augen, das sagen wollte: “ja, wir wissen was gut ist – alle anderen verpassen gerade etwas” – und dies alles ohne elitär zu wirken. bei den fetten bässen, den ins mark gehenden scratches, den gitarrenorgien des sich in bestform präsentierenden adrian und den lieblichen bis kräftigen “secondi piatti” von frau gibbons, blieb kein nacken still. viele hatten die augen geschlossen, einige weinten und wippten, manche wurden ganz fahrig und tanzten surreale choreografien ….
bei den neuen stücken machte sich uneinigkeit breit. sie sähten allenthalben gar zwietracht, machten missmutige gesichter und forderten zum hektischen getränkekauf auf. mir gings da ähnlich – und ich find doof, dass auch ich anfangs nicht offen für das neu-dargebotene war. aber das legte sich schnell. es war so einfach – so fix kombiniert – es lag doch auf der hand:
wir alle sind älter, die musik wird älter und- ja so ists – auch portishead sind älter und reifer geworden und wohlbehalten und gesund im dritten jahrtausend angekommen. herzlich willkommen in der zukunft. es ist viel passiert seit 1994 und erst recht seit 1997/98. trip-hop-band? wasn das? nee, nee, so einfach ist es eben nicht. da gab es doch mal ne phase – benannt mit dem arbeitstitel “techno”. in dieser schublade sind solch nette dinge zu finden, wie trance, drum and bass und verwandte, die hier stark zitieren, wie big beat und eben auch: trip-hop. interessant ist bei third auch das entlehnen aus anderen genres. punk-rock-gitarren-sounds, sehr präsise, gemischt mit jazzigen salsa breatbeats, die eben nicht aus der dose kamen, groovige bassläufe, leidermacher-manier, gut-gewählte 6ts -samples und beigemischte industrial-sounds mit old-school-scratchern. und beth? die sonne über allem! die unschuld und die sünde – stimmlich vereint. ein guter tag ein neues leben zu beginnen.
DIE LOCATION eine schlechte wahl! das kölner palladium ist ein völlig ungeeigneter ort für portishead. wer hat das verbockt? schlechte sicht, mäßige akustik – ein langer schlauch mit emporen – wie im thunderstruck-video. es war rockatmosphäre. hier treten bands auf. aber vielleicht hat mich da auch meine hohe erwartung eingeholt. ich wollte club-style, das war es nicht. ich dachte an roseland, an portishead in der mitte, umringt von streichern, im zentrum beth auf einem barhocker vor einem stand-aschenbecher, quarzend als ob sie´s bezahlt bekäm, und das publikum schneidersitzend um sie herumdrapiert – hölenhaft, amorph, warm und weich.
stattdessen: ausrichtung nord-südachse, publikum schaut hoch (bzw. runter) auf die bühne, sehr zugig, seltsame lichtverhältnisse durch offene türen zum vorraum und das ganze kaum lauter als die vorband. leute: portishead rockt und überzeugt durch sound – und sie waren spitze, bemüht und engagiert – leider nicht die mischer, was war denn da los? dem gesamtensemble tat dies aber keinen abbruch.
konzentration, bewusst werden wo man hier gerade steht, augen auf, mal auf die zehenspitzen …. ey, portishead, gehts noch? schon allein beth beim celebrieren von glory box und sour times zu assistieren war gnade genug für 2 leben. danke für diesen abend portishead – ihr wisst halt noch wie n schnitzel schmeckt. ich werd mir nie mehr die ohren waschen!
… regardless of what they say!

appetizer:
http://island.bright-soft.co.uk/portishead/web/web1.htm & http://island.bright-soft.co.uk/portishead/web/web2.htm
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