dass das ein heißer herbst wird, haben bereits die gewerkschaften vermeldet.
aber ich war seit längerer zeit mal wieder im plattenladen und bin begeistert von den jüngsten heißen neuerscheinungen. analog zum folgenden kurzüberblick sind dies tipps für den kargen raum unterm harzenden nadelgesellen, die jeden glücklich machen sollten:
funky-stuff von jamiroquai,
cooles und kratzbürstiges vom tiger,
düsteres von tricky
und blues vom 74-jährigen buddy “motherf ***** guy” (o-ton jagger).
1st:
jamiroquai sind zurück – wurd ja auch zeit. jason kay samt fett-kombo kommt mit einer tanzscheibe in die boxen, die da ansetzt wo dynamite vor 5 jahren (sic!) endete. es zeichnete sich ja schon ab, dass aus dem präzis-trockenen funkstyles der vorgängeralben sich stetig, aber hör- und spürbar immer mehr die disco-kugel breitmachte. das muss kein qualitätssprung nach vorne sein – zeigt aber eine konsequente entwicklung. obwohl meine favourites eben nicht auf diesem album zu finden sind, überrachen jamiroquai mit einem reifen album das förmlich nach einem live-erlebnis im nächsten jahr schreit.
mit rock dust light star nun das 7. album nach 17 jahren. gewöhnungsbedürftig! aber das habe ich auch bei “space cowboy”, “synchronized” und “a funk odyssee” gesagt (übrigens auch bei allen red hot chili peppers und kravitz-platten). bei genauerem hinhören aber: zitate und adaptionen der geliebten und bewährten dancefloorthemen. insgesamt nicht ganz so ausgewogen mit, für meinen geschmack, erneutem leichter überladung an ruhigeren nummern. über die jahre nahmen die balladen hörbar zu.
sehr geschätzt: nummer 2 (white knuckle ride), 4 (all good in the hood) und 8 ( she´s a fast persuader) … treibend und tanzbar. besser 5 (hurtin´) und 13 (all good in the hood (acoustic version)) …. atonale stopptackte und coole gitarren umspielt von jay kays smoothem gesang. klassisch: smoke and mirrors (3) und hang it over (15).
dennoch: freude über das comeback, lust auf live und musikalisch groß! weiter reinhören!
2nd:
liebe es des nächtens im bett radio zu hören. die besten sendungen laufen eh jenseits der prime-time. einst aus dem halbschlaf gerissen von “burning hell”. supertighter südstaaten roadtrip mit distel im hosenbein.
praise & blame, bereits im juli erschienen, ging an mir vorbei. aber: ein super ding für kalte tage. lebkuchen, tasse heißes und tom jones. lord help (2), strange things (4), nobody´s fault but mine (8) und run on (11) machen spaß. allesamt interpretationen von bekannten spirituals, gospels und blues-classics, intoniert mit des tigers gejaule. auch klassisch!
der knaller aber: burning hell (5).
3rd:
bristol, was geht?
nachdem ich heilfroh über die wiederkehr von portishead war und im frühjahr eine fulminante und soundschwangere scheibe von massive attacke zu uns gesandt worden ist, zog nun auch tricky nach. und: es ist anders. experimentell und doch: tricky.
mixes race ist ein trip, ein tagtraum … oder doch ein horrortrip, ein albtraum? ich mag das!
1 (every day) und 4 (ghetto stars) sind zermürbende songs, klanggeladen, schleppend mit tricky´s ihm ganz eigener monotonen wortakrobatik ausgemalt. 3 (early bird) und 6 (come to me) würd ich mal als neo-blues bezeichnen. diese tracks sind was neues und eröffnen andere pfade – sehr cool!
7, 8, 9 und 10 dann britischer tanz-stuff, der nicht so ganz meines ist, aber nicht minder fett. tanzbar! ein witziges gimmick ist nummer 2 (uk jamaican) eine dancehall-tune, der an die reklame eines italienischen sportlichen kleinwagens erinnert.
4th:
man stelle sich nur mal vor, dass silvio berlusconi auch 74 ist. doch kann er behaupten er hätte wein mit königen und den stones getrunken? möglich, dass er dies mit don linguini und dem papst tat, doch kann er es nicht auf 6 seiten ausdrücken. guy kann es auf derer mit a. buddy guy ist ein lebender beweis dafür, dass es für musik nie zu spät ist … eben ein living proof.
das werk öffnet mit eben jenem lebens rückblick (74 years young). song 2 wortstark mit druck im fuzz-pedal (thank me someday) gefolgt von einer beschwingten soul-blues-nummer mit schweineorgel (on the road).
special-guest auf der ballade “stay around a little longer” (3) ist kein geringerer als mr. b.b. king, der, immerhin nochmal 11 lenze älter als buddy, auch heuer souverän seine lucille zum heulen bringt wie einst in feurigen jahren.
track 5 (key don´t fit) ist eine hommage den langjährigen weggefährten muddy waters und ganz dessen style. wieder ein großer gast bei nr. 6 (where the blues begins) … ganz wie hooker in den 90ern nochmal den carlos vom dachboden geholt hat (oder umgekehrt), pieksen die unverkennbaren sounds santanas in diese bluesnummer.
8 (too soon) & 10 (let the door knob hit ya) sind boogie-woogie-songs im jahr 2010. das klappt seit zig jahren und macht laune. mit 11 (guess what) nochmal ein schön-schwerer guy-blues. kalorienreich wie ein creolisches huhngericht mit roten bohnen und reis, dazu ein bud. die scheibe endet mit “skanky” (12) halftime-double-time, piano, drums auf die 10 und ne ehrliche stratocaster. buddy du hasts noch drauf.
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